
Ronja drückt Nadia einen Wohnungsschlüssel in die Hand, als wäre es nichts. Dabei ist es in Berlin fast ein Heiratsantrag.
Ronja: Ich bin zwei Wochen weg. Gießt du meine Pflanzen? Und fütterst den Kater?
Nadia: Du gibst mir deinen Schlüssel? Einfach so?
Ronja: Einfach so. Das ist Vertrauenssache. Den Schlüssel bekommt nicht jeder, glaub mir.
Nadia: Und was, wenn ich etwas falsch mache?
Ronja: Der Kater frisst morgens und abends, die Pflanzen zweimal die Woche. Den Rest schaffst du schon.
Am Späti erklärt Katja die Rangordnung, ganz amtlich.
Katja: Ein Paket annehmen macht man für jeden. Pflanzen gießen für Bekannte. Aber den Kater füttern, mit eigenem Schlüssel; das ist die höchste Stufe. Da bist du drin.
Timo: Bei uns hat es neun Tage gedauert, bis du den WG-Schlüssel hattest. Bei Ronja zwei Wochen Abwesenheit. Du steigst schnell auf.
Nadia: Und wenn eine Pflanze eingeht?
Katja: Dann verschweigst du es und kaufst heimlich eine neue. So machen es alle.
Zwei Wochen später gedeihen alle Pflanzen, und Ronja bringt aus dem Urlaub etwas mit.
Ronja: Für die Katzensitterin. Nächstes Mal du zuerst; dann gieße ich deine.
Nadia: Ich habe gar keine Pflanzen.
Ronja: Dann wird es Zeit. Wer gießt, gehört dazu.
Nadia geht nach Hause, den Schlüssel in der Tasche. Sie hütet nicht nur Pflanzen; man vertraut ihr ein Stück Leben an.
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