
Der Briefkasten klemmt vor lauter Papier. Drei Wochen Deutschland-Post auf einmal: weiße Umschläge, Fensterkuvert an Fensterkuvert.
Timo: Okay, Grundkurs deutsche Post. Wir sortieren nach Gefahrenstufe.
Nadia: Gefahrenstufe? Es sind Briefe, keine Bomben.
Timo: Sagt jede, bis zur ersten Mahnung. Also: Werbung, Werbung, Kontoauszug, Werbung.
Er hält einen Umschlag hoch, Beweisstück Nummer eins.
Timo: Beitragsservice. Der Rundfunkbeitrag. Den zahlt hier jeder Haushalt, ob du fernsiehst oder nicht.
Nadia: Ich habe nicht mal einen Fernseher!
Timo: Interessiert niemanden. Achtzehn Euro sechsunddreißig im Monat, seit Jahrzehnten Thema jeder deutschen Party. Zahl es einfach; diesen Kampf gewinnt keiner.
Nadia: Und dieser hier? Der sieht harmlos aus.
Timo: Hiermit kündigen wir an, dass Ihnen in den kommenden Tagen ein separates Schreiben zugehen wird. Ein Brief, der einen Brief ankündigt.
Nadia: Das ist Satire, oder? Das Porto kostet mehr als die Information.
Timo: Willkommen im Land der Ankündigungen. Aber warte: Absender Ausländerbehörde. Die einzige Behörde, bei der schon die Ankündigung ernst ist.
Nadia dreht den Umschlag um. Ihr Name, korrekt geschrieben. Ihre Adresse, korrekt. Ihr Magen: nicht mehr ganz korrekt.
Nadia: Was will die Ausländerbehörde von mir? Mein Visum läuft noch anderthalb Jahre.
Timo: Keine Ahnung. Aber wir werden es bald schriftlich wissen. Sehr bald. Und sehr schriftlich.
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