
Voller Vorfreude zĂŒckt Nadia am Hafen ihr Handy und will endlich die schicke Elbphilharmonie fotografieren. Hauke und Frauke grinsen sich nur an und lotsen sie entschlossen in die andere Richtung. âDas Postkartending kannst du spĂ€ter knipsen, erst gibt es was AnstĂ€ndigesâ, sagt Frauke bestimmt.
Die andere Richtung ist ein kleiner Imbiss direkt am Wasser, und es riecht nach Fett und Salz. DrauĂen nieselt es fein, wĂ€hrend ein paar Möwen laut ĂŒber den Köpfen kreischen. Frauke drĂŒckt Nadia ein triefendes Fischbrötchen in die Hand und deutet auf eine wacklige Bank.
Nadia schaut zwischen dem fettigen Brötchen und dem eleganten Konzerthaus in der Ferne hin und her. Zwei Hamburgs prallen aufeinander: das glĂ€nzende fĂŒr die Touristen und das raue, urige fĂŒr die Leute, die wirklich hier wohnen. Der Kontrast könnte kaum gröĂer sein, und trotzdem fĂŒhlt sich nur eine Seite echt an.
âNa, schmeckt's, oder guckst du lieber Beton an?â, nölt Hauke trocken und beiĂt genĂŒsslich in sein eigenes Brötchen. Die Clique lacht, und Nadia merkt, wie albern ihre Jagd nach dem perfekten Foto plötzlich wirkt. Der Fisch ist fettig, salzig und ehrlich gut.
Zwischen dem Möwengeschrei begreift sie mit einem Mal, was sie fast verpasst hĂ€tte. Das echte Hamburg posiert nicht fĂŒr die Kamera, es steht im Regen und teilt ein Fischbrötchen. Und die echte Freundschaft, das dĂ€mmert ihr an dieser wackligen Bank, funktioniert am Ende genau so.
Read on the go
Digital Polyglot is also an app for iPhone and Android, with the same library and your progress synced.
Get the app