
Schlag fĂŒnf leert sich das BĂŒro wie nach einem unsichtbaren Kommando.
Paul: Kommst du? Donnerstags gehen wir alle zum SpÀti an der Ecke.
Nadia: Geht vor. Ich will die PrÀsentation noch fertig machen; in meiner alten Firma war das normal so.
Paul: Dein Ernst? Na gut. Aber sag spÀter nicht, keiner hÀtte dich gewarnt.
Nadia: Gewarnt? Vor Feierabend um Punkt fĂŒnf? Das ĂŒberlebe ich.
Um halb sieben ist das Stockwerk ein Museum: leere StĂŒhle, dunkle Bildschirme, nur Nadias Lampe brennt.
Dann kommen Schritte nĂ€her, und Frau Brandt steht da, den Mantel ĂŒber dem Arm.
Brandt: Sie sind noch hier. Seit wann eigentlich?
Nadia: Seit halb acht... heute Morgen. Ich wollte nur grĂŒndlich sein. Die PrĂ€sentation fĂŒr Dienstag.
Brandt: Das sind elf Stunden. In diesem Haus ist das kein Rekord, sondern ein Alarmsignal.
Brandt: Hören Sie. Wer hier regelmĂ€Ăig lange bleibt, gilt nicht als fleiĂig, sondern als schlecht organisiert.
Nadia: In Berlin sind Ăberstunden also verdĂ€chtig? Wo ich herkomme, sind sie LoyalitĂ€t.
Brandt: LoyalitĂ€t zeigt man hier, indem man um fĂŒnf fertig ist. Feierabend ist kein Vorschlag, sondern ein Versprechen. Wer es bricht, dem vertraut man auch die Planung nicht.
Sie nimmt ihren Ordner, geht zwei Schritte, dreht sich noch einmal um.
Brandt: Morgen, Punkt neun, mein BĂŒro. Bringen Sie nichts mit auĂer Nerven. Und kommen Sie ausgeschlafen.
Auf dem Heimweg tippt Nadia drei Nachrichten an Timo und löscht alle drei wieder.