
Dampfende Töpfe, ein warmer Ofen und der Duft von Grünkohl: An einem grauen Winterabend hat Hauke die ganze Clique zu sich eingeladen. Draußen pfeift der Wind ums Haus, drinnen ist es dafür mollig warm. Diesmal muss Nadia sich nichts mehr beweisen, sie gehört einfach zum Tisch.
Es gibt Grünkohl mit allem, was dazu deftig sein muss, und zwischendurch immer wieder einen kleinen Korn. “Einer geht noch, gegen die Kälte”, sagt Frauke und schenkt reihum nach, ganz selbstverständlich. Keiner muss lange überredet werden, und keiner ziert sich.
Mit jedem Schnaps wird die sonst so stille Runde ein Stückchen redseliger. Es wird gefrotzelt, alte Geschichten kommen auf den Tisch, und sogar der wortkarge Hauke gerät in einen längeren Klönschnack. Die kühle Schale, die Nadia am Anfang so verwirrt hat, ist heute nirgends mehr zu spüren.
Frauke hakt sich bei ihr unter und erzählt halblaut von früher, von Sommern an der Nordsee und langen Freundschaften. Nadia hört gerührt zu und muss dabei über das raue Wetter draußen schmunzeln. Hier drinnen ist es warm, und das reicht ihr an diesem Abend vollkommen.
Spät am Abend, satt und rundum zufrieden, sitzt die Runde noch beim letzten Korn beisammen. Frauke stimmt leise ein altes plattdeutsches Lied an, Hauke brummt die Melodie mit, und draußen malt der Frost feine Blumen an die dunkle Fensterscheibe. Niemand hier trinkt aus bloßer Höflichkeit, und keine steife Besucherin sitzt am Rand, während Nadia ihr warmes Glas festhält und still in den rauen Gesang hineinlächelt.