
Der Nacken meldet sich schon beim Aufwachen. Der fünfte Stock ohne Aufzug schickt seine späte Rechnung.
Timo: Verspannt. Kein Wunder, bei den ganzen Wasserkisten. Geh zum Orthopäden.
Nadia: Mach ich. Wie schwer kann ein Termin schon sein.
Sie greift zum Telefon. Erste Praxis, freundliche Stimme.
Kern: Praxis Dr. Halm, guten Morgen. Sind Sie gesetzlich oder privat versichert?
Nadia: Gesetzlich. Ich hätte gern einen Termin, mein Nacken ist völlig verspannt.
Kern: Der nächste freie Termin wäre im Oktober. Gute Besserung bis dahin.
Nadia: Oktober? Es ist Juni. Ich kann den Kopf kaum drehen.
Kern: Dann bräuchten Sie einen Akuttermin. Dafür rufen Sie morgen Punkt acht an, wie hundert andere.
Sie legt auf. Drei Praxen später ist der Satz derselbe. Timo kennt die Wahrheit hinter der Warteschleife.
Timo: Wärst du privat versichert, hättest du morgen einen Termin. Als Kassenpatient schiebt man dich auf die lange Bank.
Nadia: Also warte ich bis Oktober und hoffe, dass mein Nacken sich so lange geduldet?
Timo: Oder du gehst über den Hausarzt. Der schreibt dir eine Überweisung, und im Notfall gibt es den Bereitschaftsdienst.
Nadia: Klingt nach viel Aufwand für einen steifen Hals.
Timo: Willkommen im System. Entweder du kämpfst um den Termin, oder du wartest.
Nadia: Es geht bestimmt von allein.
Das war ein Fehler. Am Abend, beim Griff nach der Wasserkiste, gibt der Rücken endgültig nach.
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