
Katjas Tipp klingt nach einem Sechser im Lotto.
Katja: Siebzig Quadratmeter, Altbau, zwei Straßen weiter, Miete aus einem anderen Jahrzehnt. Der Haken hängt im Keller; mehr verrate ich nicht.
Hausmeister Wollny empfängt Nadia mit Schlüsselbund und beginnt die Führung ausgerechnet im Treppenhaus.
Wollny: Waschküche dienstags und donnerstags, Ihr Fenster neun bis elf. Getauscht wird schriftlich, zwei Wochen Vorlauf.
Nadia: Und wenn die Wäsche spontan schmutzig wird?
Wollny: Spontan ist hier seit 1987 nichts passiert. Kommen Sie, der Keller wartet.
Im Keller hängt sie: die Hausordnung, laminiert, unter einer eigenen Lampe wie ein Gemälde.
Wollny: Ruhezeiten dreizehn bis fünfzehn Uhr, Balkon kein Lagerraum. Wer sich einliest, lebt hier friedlich.
Nadia: Sie zeigen die Regeln vor der Wohnung. Ist das Absicht?
Wollny: Natürlich. Die Wohnung überzeugt jeden, die Hausordnung nur die Richtigen.
Nadia: Und wer entscheidet im Zweifel, was Lärm ist und was Leben?
Wollny: Der Beirat. Der tagt jeden ersten Montag. Gäste sind nach Anmeldung herzlich willkommen.
Auf dem Rückweg rechnet Nadia: billige Miete, teure Freiheit. Vor dem Späti wartet Timo.
Timo: Und? Wie war Katjas Traumobjekt?
Nadia: Die Wohnung ist perfekt, und ich will sie trotzdem nicht. Ist das verrückt?
Timo: Das ist der gesündeste Satz seit deiner Ankunft. Und jetzt halt dich fest: Lea zieht nach Leipzig. Ihr Zimmer wird frei.
Nadia stellt ihre Flasche ab, ganz langsam.