
Für ein langes Wochenende fährt Nadia hoch nach Hamburg, zu ihrem alten Freund Hauke und seiner Clique. Am Bahnhof empfängt er sie mit einem knappen “Moin” und einem Nicken, mehr nicht. Nadia, aus Berlin die lauten Sprüche gewohnt, fühlt sich von der kühlen Begrüßung erst mal ein büschen vor den Kopf gestoßen.
Den ganzen Tag bleibt Hauke wortkarg. Sie zeigt ihm Fotos und erzählt begeistert von ihrem neuen Job, doch alles, was zurückkommt, ist ein trockenes “Jo” oder ein “Muss ja”. Selbst als sie fragt, ob ihm der Nachmittag gefallen habe, sagt er nur: “Kann man machen.”
Beim Abendessen mit der Clique wird es nicht besser. Alle schnacken leise, keiner macht großes Aufheben, und über das Schietwetter wird mehr geredet als über Gefühle. Nadia denkt schon, die Hamburger mögen sie einfach nicht, und wird selbst ganz still.
Hauke merkt, dass etwas nicht stimmt. “Nich so grübeln, Deern”, sagt er ruhig. “Bei uns wird nich viel gesabbelt, das heißt aber nich, dass keiner was fühlt.” Dann klönt die Runde langsam auf, und Nadia ahnt, dass sie den Ton hier gründlich falsch gelesen hat.
Erst als sie am Sonntag abreisen will, kommt die Wahrheit ans Licht. Hauke hat wortlos ihren ganzen Rückweg umgebucht, ihr Lieblingslokal reserviert und heimlich den halben Freundeskreis zusammengetrommelt, damit sie nicht allein losfährt. “Muss ja”, brummt er nur und schaut verlegen weg. In diesem einen “Muss ja” steckt mehr Herzlichkeit als in tausend lauten Sprüchen.
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