Olga liest die Mail das dritte Mal. Sie hat das Gefühl, dass das Wiederholen nichts ändert, aber tut es trotzdem. Auf dem Bildschirm steht: "Ende der Print-Ausgabe in sechs Monaten."
Der Newsroom am Spittelmarkt ist still wie an einem Sonntag. Donnerstagvormittag, halb elf. Drei Kollegen tippen, einer telefoniert leise mit einer Quelle. Olga erinnert sich, dass es hier einmal anders klang.
1999 hatte sie angefangen, vier Jahre nach dem Mauerfall, als das Telefon noch an einer Spirale hing und ein Anruf in den Newsroom oft bedeutete: jemand möchte etwas loswerden, was keiner laut sagen konnte.