
Der Anpfiff dröhnt aus dem Fernseher, und die ganze Bude johlt los. Fett brutzelt auf dem Rost, Bier zischt aus den Dosen.
Nadia steht mittendrin im schwarzgelben Schal, den Deniz ihr geliehen hat. An diesem grauen Nachmittag drängt sich halb Dortmund in Ronnys enge Frittenbude vor den einen Bildschirm; Borussia spielt gegen die Bayern, und keiner will dieses Spiel verpassen.
Neben Nadia steht Deniz, ein alter Freund mit Dauerkarte, der jedes Heimspiel mitsingt, als hinge sein Leben daran. Die Gesänge kennt Nadia inzwischen auswendig, jede Strophe, jeden Namen.
Als Ronny sie früher einmal aufgezogen hat, ihr Deutsch klinge nach Lehrbuch, kontert sie heute so trocken zurück, dass der ganze Laden grölt und Timo ihr stolz auf die Schulter klopft.
Dann fällt endlich das Tor. Die Bude explodiert, Bier schwappt über die Theke, und wildfremde Leute fallen sich um den Hals.
Ronny schmeißt vor lauter Freude eine ganze Runde Currywurst raus und ruft, heute Abend gehe hier alles aufs Haus. Läuft, brüllt Deniz und boxt Nadia grinsend gegen die Schulter.
Nach dem Abpfiff bleibt die Runde noch lange sitzen. Draußen wird es dunkel, drinnen riecht es nach Fett und nach Pott; Nadia hält eine fettige Currywurst in der Hand und summt den letzten Gesang leise mit. Als sie ihm den geliehenen Schal zurückgeben will, winkt Ronny ab und hängt ihn an den Nagel hinter der Theke, gleich neben seinen eigenen. Da soll er hängen bleiben, brummt er, dann sei die Berlinerin beim nächsten Heimspiel gleich wieder heimisch. Läuft bei dir, sagt er nur und schiebt ihr die letzte Wurst rüber.