
Fettdampf zieht würzig über den Viktualienmarkt, als Nadia mit Timo vor einem hölzernen Standl stehen bleibt. Hinter der Theke wuchtet Sepp gerade ein heißes Blech aus dem Ofen, ein grauhaariger Grantler, dem die Schürze eng über dem Bauch spannt. Seine Tochter Vroni kassiert nebenan und zwinkert den beiden freundlich zu.
“Was mögt ihr denn, wenn ich fragen darf”, knurrt Sepp, ohne überhaupt aufzuschauen. Nadia traut sich kaum zu antworten und zerrt aus lauter Nervosität schnell ihr Handy hervor. Sie tippt den Satz in eine Übersetzungsapp, die in steifem Hochdeutsch ein knuspriges halbes Hähnchen bestellt, statt einfach Hendl zu sagen.
Sepp hält mitten in der Bewegung inne, hebt eine buschige Augenbraue und schnaubt. “Schmarrn”, mault er, “red halt normal, Madl.” Vroni lacht laut und schiebt Nadia eine dampfende Portion über den klapprigen Tresen.
Da prallen auf dem Markt zwei Welten aufeinander, die kühle App, die jedes Wort glattbügelt, und der raue Sepp, dem die Worte wie Kiesel aus dem Mund fallen. Auf einmal begreift Nadia, dass sein ewiges Granteln gar keine Abfuhr ist, sondern eine ganz eigene Art von Nähe. Als sie am Ende zahlt, fehlen ihr ein paar Cent, doch Sepp winkt nur großzügig ab.
“Geh weiter, des passt scho”, brummt er und schaut dabei fast verlegen zur Seite. Kein Lächeln, bloß ein Grummeln, und doch ist die Geste so warm wie das Blech in seiner rauen Hand. Timo grinst breit und sagt leise, der Depp habe sie längst gern, auch wenn er immer dreinschaue wie ein Gewitter.
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