
Zum dritten Mal diese Woche zückt jemand einen Kalender. Nadia hat nur “Kaffee?” gefragt; die Antwort ist ein Termin in drei Wochen.
Nadia: Immer heißt es “wir müssen mal”, und dann kommt ein Kalender. Niemand will spontan etwas trinken.
Katja: Willkommen. Das “wir müssen mal” ist die höflichste Art, gar nichts zu versprechen.
Timo: Nicht bös gemeint. Die Leute meinen es ernst; sie meinen es nur langsam.
Nadia: Zu Hause hat man einfach geklingelt. Hier bin ich nach Monaten noch die neue Bekanntschaft, nie die Freundin.
Katja: Deutsche sind KokosnĂĽsse. AuĂźen hart, und man kommt ewig nicht durch. Aber ist die Schale einmal auf, bleibt es ein Leben lang.
Am Tresen lehnt Ronja, hört mit, und legt Nadia eine Hand auf die Schulter.
Ronja: Donnerstag, unser Stammtisch, hinten die reservierte Ecke. Kein Kalender, keine Verabredung. Du kommst einfach.
Nadia: Einfach so? Ohne drei Wochen Vorlauf?
Ronja: Der Stammtisch ist kein Termin. Wer einmal dort sitzt, gehört dazu; und irgendwann bietet dir dort sogar der Förmlichste das Du an.
Katja: Genau da fängt es an. Small Talk ist die Schale, der Stammtisch ist der Kern.
Nadia: Und ich dachte schon, es liegt an mir.
Ronja: Liegt es nie. Es dauert nur. Bring Hunger mit; bestellt wird fĂĽr alle.
Nadia versteht es an diesem Tresen zum ersten Mal: Die Langsamkeit war keine Ablehnung. Sie war nur die Schale. Und die ist gerade aufgesprungen.