
Das grüne Kreuz über der Apotheke ist dunkel. Nur eine einzige hat Notdienst, quer durch die Stadt; dort bedient man durch die Nachtklappe.
Apothekerin: Sie wünschen?
Nadia: Etwas gegen einen verspannten Rücken. Möglichst ohne Rezept.
Apothekerin: Ein Wärmepflaster und eine Salbe zum Einreiben, beides rezeptfrei. Wärme lindert, Bewegung hilft.
Nadia: Und wenn es schlimmer wird?
Apothekerin: Wenn es in drei Tagen nicht abklingt, gehen Sie zum Arzt. Aber meistens ist es nur der Rücken, der sich beschwert. Gute Besserung.
Nadia: Wärme also. Das sagt meine Nachbarin auch.
Apothekerin: Dann hören Sie auf Ihre Nachbarin. Die Großmütter wussten das lange vor uns.
Zurück im Kiez hat Katja am Späti längst ihre eigene Apotheke aufgeschlagen.
Katja: Ein Wärmepflaster? Kind, du brauchst Franzbranntwein und eine Wärmflasche. Und einen Quarkwickel, wenn es richtig zieht.
Nadia: Die Apothekerin schwört auf die Salbe, du schwörst auf Quark.
Katja: Wir schwören beide auf Wärme. Der Rest ist Verpackung.
Nadia: Also die Wissenschaft hinter dem Tresen und das Hausmittel aus dem Späti.
Katja: Und beide sagen dasselbe. Merk dir das, dann verstehst du dieses Land.
Nadia: Zwei Meinungen, ein Rücken, und am Ende sind sie sich einig.
Katja: So ist es immer. Erst streiten alle, dann meinen sie dasselbe.
Nadia reibt die Salbe ein und füllt die Wärmflasche; beide raten dasselbe. Am Morgen dreht der Nacken sich leichter, und Punkt acht wählt sie die Nummer für den Akuttermin.
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