
Der Ersatzbus kriecht durch den Vormittagsverkehr. Nadia rechnet im Kopf.
Nadia: Elf Uhr sechs. Noch vierzehn Minuten, acht Haltestellen. Rechne du, ich kann nicht mehr.
Timo: Entscheidend ist nur, die Wartemarke zu ziehen, bevor die Tafel deine Uhrzeit überspringt. Drinnen bist du im System.
Um 11:17 stolpern sie durch die Glastür. Der Automat druckt: B 247. Auf der Tafel leuchtet B 244.
Timo: B 244? Ankunft mit Stil. Drei Nummern sind hier eine halbe Ewigkeit.
Nadia: Drei Nummern Puffer. Dass eine Leuchttafel mich so rühren kann.
Timo: Wenn deine Nummer aufleuchtet: Schalter neun. Lass dich von der Miene des Sachbearbeiters nicht beeindrucken.
B 247. Herr Menzel blättert durch ihre Unterlagen wie durch eine Zeitschrift, die ihn mäßig interessiert.
Menzel: Pass, Formular, Wohnungsgeberbestätigung. Sogar unterschrieben. Sie glauben nicht, wie oft genau daran alles scheitert.
Nadia: Ich habe dafür heute Morgen einen Vermieter in seiner Laube aufgespürt.
Menzel: Dann haben Sie das Prinzip dieser Stadt schneller begriffen als die meisten. Zwei Stempel, und Sie existieren offiziell.
Er schiebt die Anmeldebestätigung über den Tresen: ein Blatt, das Konto, Arbeitsvertrag und Handyvertrag freischaltet. Draußen wartet Timo mit Kaffee.
Timo: Und jetzt, wo du offiziell existierst?
Nadia: Jetzt brauche ich eine Wohnung, die wirklich mir gehört. Meine Zwischenmiete ist befristet, sechs Wochen noch.
Timo grinst in seinen Kaffee.
Timo: Dann fängt der Spaß erst an. Gegen die Berliner Wohnungssuche war dieser Vormittag ein Spaziergang.
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